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VfL Leverkusen - Fortuna Köln 1:1 (0:0) am 01.06.2008 Drucken
Geschrieben von daniel   
Sonntag, 1. Juni 2008
oder Verbandsliga-Fußball: Der ganz normale Wahnsinn in der Domstadt

Der letzte Spieltag in der Verbandsliga Köln - zum Vergleich in dieser Liga spielen in Niedersachsen West altehrwürdige Teams wie Arminia Hannover, SF Ricklingen, der TSV Havelse, der ehemalige Club von Volker Finke TSV Stelingen, der SC Langenhagen und der VfV Hildesheim, aber auch die Schaumburger vom VfL Bückeburg. Also alles Clubs, die schon wesentlich bessere Zeiten erlebt haben, gerade die erstgenannten, und in diesem Jahr nichts mit dem Aufstieg zu tun hatten, denn den spielten der VfL Oldenburg (nicht der VfB!) und der BSV SW Rehden untereinander aus. Die Lage in Köln war eine andere, hier wetteiferten bis kurz vor Saisonende die traditionsreiche SCB Viktoria Köln, der Oberliga-Absteiger FC Junkersdorf, der Underdog VfL Leverkusen und die altehrwürdig Fortuna aus der Kölner Südstadt um den Aufstieg, inklusive großem Showdown am letzten Spieltag. Die Geschichte spielte sich wie folgt ab:
Neben den oben genannten Clubs standen Vereine wie Rhenania Eschweiler, Westwacht Aachen, Spvg Wesseling-Urfeld, die Sportfreunde Troisdorf, Germania Lich-Steinstraß und Borussia Freialdenhoven im Wettbewerb um Punkte, doch der Aufstieg sollte am allerletzten Spieltag zwischen Fortuna Köln und dem VfL Leverkusen ausgespielt werden. Der Vorteil lag bei dem VfL, der übrigens seine Heimspiele ganz in der Nähe des ehemaligen Ulrich Haberland-Stadions auf Kunstrasen austrägt, welches der geneigte Stadionbesucher bei einer Anreise mit der Bahn auf seinem Weg zum Stadion schon gesehen haben dürfte. Hier blieb man die komplette Saison ungeschlagen, nicht nur zuletzt wegen des besonderen Untergrundes, sondern auch wegen des kleinen Spielfeldes.
Der VfL hatte 62, die Fortuna mit einer Serie von acht siegreichen Spielen im Rücken 61 Punkte auf dem Konto. Und nur der Meister hat die sportliche Qualifikation für die neugeschaffene NRW-Liga sicher - ein Aufstieg aus der fünfthöchsten Oberliga Mittelrhein in die dann fünfte Liga, die NRW-Liga. Welch riesiges Fanpotential die Fortuna hat, zeigte sich in den letzten Spiel, waren beim vorletzten Auswärtsspiel weit über 1.000 Fortuna-Fans dabei, besuchten das letzte Heimspiel 2.100 Unterstützer. Der Fußballverband Mittelrhein verlegte das  Spiel aus dem Leverkusener Stadion Tannenbergstraße wegen Sicherheitsbedenken aufgrund des erwarteten großen Zuschauerinteresses in das Flughafenstadion im Sportpark Höhenberg, der Heimat von Viktoria Köln. Die Schätzungen gingen davon aus, dass etwa 1.000 Leverkusener und 3.000 Kölner den Weg in das Stadion suchen würden, der Verband ordnete  daher eine strikte Trennung der Fanlager an, inklusive getrennter Einlässe.
Was sich dann aber am Spieltag abspielte, sprengte alles, was man sich in den kühnsten Träumen ausmalen konnte: Am Sünner-Brauhaus sammelten sich hunderte Fortuna-Fans, die in einem Fanzug zu Fuß knapp fünf Kilometer über die Kalker Hauptstraße zum Stadion nach Höhenberg zogen. Es gab nur eine Farbe im rechtsrheinischen Köln rund um das Stadion: Rot-Weiß, immer streng beobachtet von den Einsatzhundertschaften der Polizei. Die Vereinsführung von Fortuna hatte angeboten, einen Vorverkauf zu organisieren, was von dem gastgebendem VfL strikt abgelent wurde. Ganz im Gegenteil, man fühlte sich (vielleicht zu Recht) benachteiligt und hatte seinerseits eine Anwaltskanzlei mit der Vertretung der eigenen Interessen beauftragt und trat nur unter Protest in Köln zum Heimspiel an, rechtliche Schritte wurden im voraus bei einer Niederlage schon angekündigt.
Was sich dann vor dem Stadion abspielte, war eine organisatorische Katastrophe, wie es sie selbst in Hannover vor den Eingängen sicher noch nie gegeben hat. Es gab bis fünf Minuten vor Spielbeginn nur zwei Kassen für die Kölner Fans, dann wurde erst eine dritte Kasse geöffnet und das alles bei 30 ° C in der Sonne. Die Leverkusener Sympathisanten nahmen die schattigen Plätze auf der überdachten Tribüne ein. Die Schlagen vor den Kassenhäuschen waren mehrere hunder Meter lang, wir standen für unsere Karten eine geschlagene Stunde an - Chaos pur in der Verbandsliga. Gekrönt wurde die diletantische Orgaisation von einer einzigen Getränke- und Grillbude für 6.000 Fortuna-Fans.  Im Angebot waren halbgare Bratwürstchen ohne Brot für zwei Euro und Getränke im 0,3 Liter-Becher für denselben Preis, allerdings nur bis Mitte der ersten Hälfte. Zu diesem Zeitpunkt gingen die Becher aus und von nun an wurde Bier in Ein-Liter-Cola- und Fanta-Flaschen ausgeschenkt - unfassbar!
Der riesige Fortuna-Mob hatte natürlich die Stimmungs-Hoheit im eigentlich sehr schönen Stadionrund, allerdings hätte der Support für die große Anzahl an Fans noch stärker sein müssen. Schön auch zu sehen, wie teilweise meterhohes Gras niedergetreten werden musste, damit die Gästefans geeignete Plätze finden konnten.
Zum Spiel: Es standen sich zwei gleichstarke Teams gegenüber, die teilweise sehr gute  Einzelkönner in ihren Reihen hatten. Allerdings muss man feststellen, dass es spielerisch zur nächsten Liga schon einen starken Leistungsunterschied gibt, wobei der Druck, unter dem die Mannschaften standen, nicht zu vernachlässigen ist. Fortuna wollte und musste gewinnen, Leverkusen wartete ab und kam immer wieder mit gefährlichen Kontern zu sehr guten Einschussmöglichkeiten. In der ersten Hälfte scheiterten die Kölner nach einer Ecke nur um wenige Zentimeter am ersten Treffer und kamen in der zweiten Hälfte zu drei (!) hundertprozentigen Möglichkeiten, als jeweils ein Spieler mutterseelenalleine vor dem gegnerischen Torsteher auftauchte - jeweils ohne Erfolg. Mehr als zwei Posten- und ein Lattentreffer aus weiteren Angriffen kamen nicht zustande. Gleiches galt für den VfL, der zwei Mal völlig freistehend, einmal sogar vor dem leeren Tor, versagte.
In der 83. Minute war es dann aber soweit, der Kölner Block explodierte, denn der Gast ging mit 1:0 in Führung und stand ganz, ganz knapp vor dem Aufstieg. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn ein Spiel nicht 90 Minuten ginge und so kam der Spitzenreiter gegen den zwischenzeitlichen Tabellenführer im Nachschuss nach einer Ecke zum Ausgleich. Der Schiedsrichter gestattete fünf Minuten Nachspielzeit, nicht zuletzt, da es eine mittelgroße Rudelbildung und Handgreiflichkeiten kurz vor Spielende gegeben hatte. Aber alles Hoffen half nichts mehr, das Spiel ging ohne weiteren Fortuna-Treffer zu Ende und so waren es die Leverkusener, die über die Meisterschaft und den Aufstieg von der fünften in die fünfte Liga jubeln durften.
Aber heute, am 07.06.08, ist das letzte Wort hierüber noch nicht gesprochen. Der Verband verweigerte dem Meister die Lizenz, wohingegen die Lizenzunterlagen der Fortuna unbeanstandet blieben. Die Entscheidung über den 18. Teilnehmer der NRW-Liga soll am Anfang der kommenden Woche verkündet werden, das Urteil über das Beschwerdeverfahren vom VfL Leverkusen soll allerdings schon gesprochen worden sein.
Es war auf jeden Fall für die 96 KÖLSCHen Klaas, Herkel, Jan, Gereon, Hannes und Daniel das beeindruckenste Verbandsliga-Spiel ihres Lebens und wir drücken der Fortuna ganz kräftig die Daumen, dass der Aufstieg am grünen Tisch klappt. Ist einem der FC doch ein Stück weit egal, muss man diese Fortuna einfach mögen: Say u ah Fortuna, say u ah Fortuna!

Bilder zum Spiel aus Sicht von 96 KÖLSCH gibt es hier .
» 4 Kommentare
4Kommentar
am Mittwoch, 11. Juni 2008 13:45von Hannes
wow, das nenn ich mal nen ausführlichen bericht!  
sehr schön herr reese!
3Kommentar
am Mittwoch, 11. Juni 2008 09:34von Herkel
sehr schöne fotos und ein noch schönerer bericht! war ein klasse tag, jungs!
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am Montag, 9. Juni 2008 01:02von step
Großartiger Sport! Bei nächsten Hopping werde ich hoffentlich wieder am Mann sein!
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am Sonntag, 8. Juni 2008 14:04von Vini
Sehr, sehr schön Daniel!  
Warte sehnlichst auf Fotos vom Spiel!
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