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Kenia - Namibia 1:0 (0:0) am 05.09.2008 Drucken
Geschrieben von Gregor   
Freitag, 5. September 2008
Das Spiel diente dem Grund herauszufinden, wer in die nächste Runde der Afrika-Qualifikation für die WM 2010 einziehen darf. Während alle Jungs für kenianische Verhältnisse pünktlich am Treffpunkt auftauchten, durfte auf die weibliche Belegschaft natürlich gewartet werden. Die wollten noch einen Freund mitnehmen, da war ich froh dass ich schon im Auto eines Freundes sass.

Und der blieb mit seinem Fahrstil auch nichts schuldig. Gekonnt umfuhr er im Matatu-Style den Mörderstau auf der Thika Road sowie im Weg befindliche Fussgänger auf dem staubigen Standstreifen oder aber auch auf der Mittelspur über Stock und Stein. Zum Glück war ordentlich gekühltes Tusker an Bord, auf das man sich konzentrieren konnte.

Irgendein Engländer, den ich flüchtig kannte, hatte uns davor VIP-Parktickets in die Hand gedrückt, da konnte ja nichts mehr schiefgehen! Ausser der Tatsache dass sich die Anstehschlangen genau über die Parkplatzzufahrt erstreckten und natürlich keiner auch nur ein Haarbreit Platz machen wollte.

Aber dann tauchte plötzlich ein Polizist zu Pferde auf, mit dem Ergebnis, dass sich die Schlange schlagartig auflöste und die Leute stattdessen das Stadion über den Zaun zu entern versuchten. Entsprechend sammelten sich vor dem Parkplatztor ticketlose Menschenmengen und es war klar, wenn hier jemals das Tor geöffnet würde, würde sich die Gelegenheit natürlich keiner entgehen lassen.

Nach ewigem erfolglosem Warten wurde dann beschlossen, einfach mal querfeldein das Stadiongelände zu kreuzen und siehe da: plötzlich war doch irgendein Parkplatz erreicht! Dass wir irgendwo aus Richtung Nebenplatz angecruist kamen, interessierte interessanterweise niemanden. Noch die Personenkontrolle überstanden, an der lustigerweise jeder seine Coca-Colas abgeben musste während wir mit unseren Tuskerdosen-Sixpacks unbeschadet eintreten durften, und schon waren wir drin im ausverkauften Stadion!

Was daran ausverkauft war, erschloss sich mir allerdings bis zum Schlusspfiff nicht: Halbleer war die Hütte, bis auf den VIP-Sektor im Mittelrang, in dem wir es uns gemütlich gemacht hatten. Nachdem im letzten Qualifikationsspiel im anderen Stadion etwa 40.000 Leute auf die 30.000 Plätze drängten und es regelrecht lebensgefährlich wurde, hatte die FIFA darauf bestanden, Karten nur noch im Vorverkauf zu verkloppen. Der war natürlich dermassen durchdacht und wurde aus Fahrzeugen einer Sicherheitsfirma an vielleicht fünf Orten in der Stadt durchgeführt, dass nach meinen bescheidenen Berechnungen es nicht mal theoretisch möglich war, in den drei Tagen 54.000 Tickets an den Mann zu bringen.

In der Zeitung stand trotzdem ausverkauft. Mein Verdacht ist ja bis heute, dass sie die Tickets nie wirklich verkauft haben, aber sich diese Blösse natürlich nie geben wollten und deshalb lieber die Öffentlichkeit für dumm verkauft haben. Wären da draussen wirklich 25.000 Leute mit Ticket gestanden ohne reinzukommen, wäre jedenfalls sicher im Umkreis von mehreren Kilometern kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Aber wir wollen ja nicht klagen, Fussballspiele gehen hier ja auch gerne mal anders aus, zum Beispiel sind im Kongo neulich elf Leute bei einer Massenpanik umgekommen, als ein Spieler angefangen hat im gegnerischen Strafraum zu hexen, wie interessierte hier nachlesen können.

Wie dem auch sei, ich kriegte es jedenfalls zeitnah hin, bei einer gestenreichen Schilderung irgendeines Erlebnisses meine Tusker-Dose vom Balkon zu schubsen und damit natürlich die armen Leute auf dem Unterrang regelrecht abzuduschen. Anderen Leuten gelangen ähnliche Kunststücke, was aber auch egal war, da nach dem 1:0 kurz vor der Pause eh jeder, der irgendwas nicht niet- und nagelfestes in die Hände kriegen konnte es Richtung Unterrang entsorgte. Ein Video dieses Spektakels findet Ihr übrigens auf meiner Homepage.

Wir verzogen uns jedenfalls zur Feier des Sieges der Kenianer, die übrigens tatsächlich "Harambee Stars" genannt werden, in den Jambo Grill, den glasklar bisher besten Laden den ich erleben durfte. Gut abgehangenes Nyama Choma, dazu gut gekühltes Tusker und eine Liveband, die Kikuyu-Musik zum Besten gab: Afrikaner, was willst Du mehr?

Mehr Infos, Bilder und Videos findet Ihr auf Gregors Homepage
» 3 Kommentare
3Kommentar
am Donnerstag, 16. Oktober 2008 20:39von Sujo
Klasse Bericht, Gregor!
2Kommentar
am Mittwoch, 15. Oktober 2008 13:03von Klaas
Coca-Cola-Mitnahme-Verbot klingt bei gleichzeitiger Biererlaubnis super. 
 
Wie immer ein äußerst unterhaltsamer Bericht von Spochtskamerad Gregor Grillemeier.
1Kommentar
am Mittwoch, 15. Oktober 2008 12:40von step
Hey Gregor, super Bericht! Es gibt ihn also doch noch - den "alten" Fußball ;)
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