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R. Standard de Liege (Lüttich) - FC Salzburg 3:2 (0:2) am 18.02.2010 Drucken
Geschrieben von step   
Donnerstag, 18. Februar 2010
"Fussball bekloppt" - presented by SEAT, geflockt wird BASE und getragen GENERALI - Hauptsache Jovanovic!
Die Gäste getragen vom "Roten Bullen", die Heimmannschaft supportet von der "Brigade Rouge" - das kann ja was werden! Freude und Leid liegen eng beieinander und das nicht nur im Fussball.

Panorama-Blick auf die Tribüne 3 in Lüttich am 18.02.2010

Start der Hopping-Tour war der Chlodwigplatz in Köln. Insidern nicht minder bekannt unter dem Sammelpunkt der Karnevalisten eines jeden Rosenmontags-Umzugs. Vollkommen unkostümiert und ohne Autogrammstunde im hiesigen KIND-Hörgeräte Shop nebenan, machten wir uns heute, drei Tage nach dem rheinischen Wahn-/Frohsinn, umgehend auf nach Belgien. Ohne jedoch den Halt am nächsten Büdchen für ein Fahrt-Bier auszulassen - was rein geschmacklich ein Fehler sein sollte.

Die Landesgrenze war schnell erreicht und obk sagte kurz zuvor trotz "Extra-Einladung - Rote Erde" ab, da er sich lieber Protokollen und Microsoftschen Entwicklungen widmen wollte - dies sei hier mal lobend erwaehnt.

Ab hier erschien uns die Umgebung irgendwie "britisch" - ohne jemals persönlich da gewesen zu sein - was wohl neben der Umgebung und Bauweise der Häuser insbesondere an dem Rückzug der in Köln stark präsenten Sonne lag.

Lüttich (oder besser Liège, wallonisch Lîdje oder niederländisch Luik) - eine Stadt die vor kurzer Zeit noch durch ein schlimmes Unglück erschüttert wurde lag vor uns. Der Parkplatz war schnell gefunden und das erste - sehr leckere belgische Bier - genossen wir in einer Eck-Kneipe die ihren Namen und das Logo zum Teil als "... Sabot" (Holzschuh) trägt. Den vollen Namen konnten wir uns leider nicht einprägen ...

... An dieser Stelle ist es nun offiziell - wir waren und sind absolut nicht frankophil und auch nicht der in diesem belgischen Landstrich dominierenden Landessprache mächtig. Spannende Gespräche auf französisch lagen, dank mangelnder Alternativen, nun vor uns.

Der mangelnden Bildung zum Trotz schulte uns Gereon nun aber mit folgendem Wissen über die Entstehung des Begriffs "Sabotage". Begründet darauf, dass "Arbeiter eines gewissen (nicht näher bekannten) Standes die zunehmende Industrialisierung und damit zusammenhängende  Bedarfsmängel an menschlicher Arbeitskraft, dadurch quittierten indem sie ihre Holzschuhe (franz. Sabot) in die Maschinen warfen und diese damit  zum Stillstand brachten" - Sabotage!

Mehr Infos gibt es hier - http://de.wikipedia.org/wiki/Sabotage - wieder was gelernt :)

Ehrlich gesagt - wir hätten wohl Stunden in dieser Eck-Kneipe verbringen können und dem Wirt wäre es knobelnder Weise an der Theke sicherlich recht gewesen. Empfehlen können wir ab sofort das Hoegaarden Witbier. Sieht aus wie stark verdünnte naturtrübe Apfelsaftschorle, schmeckt sehr frisch und prickelt lecker. Ein Stück französich gelernt und mit ausgiebig Trinkgeld entlohnt, verabschiedeten wir uns mit einem Merci und stiefelten  weiter in Richtung Altstadt.

Lüttich, durch Kohle- und Stahlindustrie gewachsen, wechselt sich von Altbauten teils uferabhängig rasch mit Neu-/Plattenbauten und modernster Architektur ab. In der Altstadt zeigen die Fassaden die durch die Explosion vom 27. Januar 2010 unterbrochen werden  die Vergänglichkeit von jetzt auf gleich deutlich.

Tief beeindruckt und spürbar nah der Katastrophe kehrten wir direkt nebenan in eine Friterie ein und versorgten uns mit klassisch belgischer Kost. Fritten, Frikandel, zahllose Saucen-Auswahl und dem dazugehörigen Duft der Friteusen. Lecker!

Die Zeit drückt erneut und wir müssen auf ins Stadion - nicht ohne uns noch auf dem Weg dorthin im nahegelegenen Supermarkt mit den hiesigen Bierspezialitäten gleich dosen-/palettenweise für den Export eingedeckt zu haben. Das Navigationssystem (Beifahrer zum Fahrer: "Ich komm mit Deinem Ding nicht klar." Rücksitz:"Was macht ihr da?") führt uns über Umwege in der fremden Stadt (Frauenstimme sagt:"Bitte biegen Sie rechts ab ...") hin zum Stade M. Dufrasne (Sclessin) wo wir ca. 2km vorher das Auto in Reihe abstellten und den Rest vorbei am Lidl und diversen kleinen Häuschen, Kiosken und Bratwurst-Ständen weiter einem sehr britischen Charakter folgten.

Vorbei an zahllosen Bussen, dem wohl präferierten Verkehrsmittel eines jeden Fanclubs, erreichten wir das Stadion schnell und versuchten leider vergeblich die übriggebliebene Karte unters Volk zu bringen. An der mangelnden Sprachkenntnis lag es aufgrund der erkennbar niedrigen Nachfrage nicht - nicht zu ändern und machmal muss man halt in saure Äpfel beissen ... An dieser Stelle gilt Maja (Axels besserer Hälfte) und ihren Zähnen gute Genesung.

Das Spiel beginnt, und das - nach einer Schweigeminute zum Gedenken der Opfer des sich am 15.02.2010 (vor drei Tagen) ereigneten Zugunglücks nahe Brüssel - äußerst turbulent.
Die Fans sind klasse, die Stimmung absolut euphorisch, doch bereits nach vier Minuten gibt es nach dem ersten Angriff der Salzburger das 0:1. Wieso und weshalb der in Deutschland/Köln nicht unbekannte Trainer Huub Stevens direkt im Anschluss auf die Tribüne geschickt wurde, blieb uns vorerst verborgen (Anm. lt. sat1 Fernsehbericht: Eine fehlende optische Identifikation als Teamverantwortlicher/Ablehnung Leibchen-Zwang führte zum Verweis). Die Stimmung liess jedoch nicht nach und die Heimmannschaft wurde lautstark angetrieben ihr Bestes zu geben.

Hier sei erwähnt das unser Platz im Stadion (Block A2) grundsätzlich einen Sitzplatz vorsieht (Zwang in der Europa-Liga) jedoch kein einziger Besucher dieses Recht annimmt. Wahnsinn - eine komplette Gerade (Kein Fanblock!) "steht" trotz Sitzplatzmöglichkeit! Das ist für mich Premiere, als Verfechter der "Sitzen ist fürn Arsch"-Theorie aber sehr willkommen. Ergänzend sei gesagt, dass die vorhandenen Sitze nicht gerade die jüngsten waren aber das kann nicht der Grund für gute Stimmung sein, oder?

"Allez", "Hey" und weitere Schlachtrufe, Schreie und Gebrüll schallten unablässig aus den Kehlen Tausender und verfehlten ihre Wirkung nicht. Beeindruckt über die kinderfreundliche Ausnutzung der Plätze direkt an der Bande hieß es zur Pause verdient 0:2 für Salzburg und die Gäste, deren Fans noch unsere Anreise verzögerten (polizei-geduldete Rotfahrt der zwei Fanbusse), waren glückseelig und feierten. Wenn das mal nicht zu früh ist ...
Die gleiche Impulsivität der heimischen Fans die zuvor der Anfeuerung galt, galt nach 45 (+1) Minuten nun aber auch den Pfiffen die diese ihren Lieblingen (wohl auf französich) in den Kabinentrakt hinterher schickten.

Zur Pause gönnte sich Axel einen Smalltalk (in welcher Sprache eigentlich?) mit einem Sitznachbarn ein paar Reihen oberhalb, welchen er bei einem Hopping-Besuch vor ein paar Wochen gegen Alkmaar kennenlernte. Gereon verzichtete auf seine O-Saft-Premiere im Stadion und neben einer Cola-Zero kosteten wir von einem Stadion-Bier aus dem Plastik-Becher.
Resultat: Ohne Geschmack und sehr kurzweilig, da wir beide unverzüglich vor Betreten des Blocks entsorgt haben mussten. Merke: Kein Getränk im Stadion-Inneren in Lüttich - rote Linie beachten!

Halbzeit zwei war nun mit drei Toren für Lüttich deutlich positiver für die Stimmung und auch die Einwechslung des Alt-96ers Roman Wallner auf Seiten der Salzburger konnte daran nichts ändern. Ein Elfmeter schaffte den Anschluss und ein für das Tor des Monats zu nominierendes Tor von De Camargo schaffte den Ausgleich, bevor Witsel mit seinem zweiten Treffer (diesmal per Kopf) auf 3:2 erhöhte. Das Spiel war gedreht und immer wieder geprägt von klassischem "kick and rush" was von der Spielweise her stellenweise vergleichbar attraktiv der unter uns platzierten Sitzschalen war. Fünf Tore, zwar alle auf der entfernt gelegenen Seite, egal - die Menge kochte!

Für die Qualifikation zur EM 2012 sei Deutschland auf ordentliche Stürmer bzw. Torschützen aus Österreich (Janko 2x) und Belgien (Witsel 2x und De Camargo 1x) eingestimmt. Auf keinen Fall sollte man die sogenannten Kleinen unterschätzen! Wir nahmen schlussendlich fussball-zufrieden und beschallt von der an Techno-Rhytmik angelehnten Stadion-Hymne den Weg auf zum Auto.

Leider blieb Axel in der Innenstadt vorab der Plattenkauf einer "The Mission"-Promo-Scheibe aus den 80ern - preisbedingt - verwehrt. Wir hatten jedoch allesamt einen fantastischen Hopping-Ausflug und empfehlen jedem eine Tour in dieses beschauliche Städtchen an der Maas bzw. je nach Standort auch Ourthe - denn wo Maas und Ourthe sich küssen da kann man ...

Fazit: Bier, klassischer Braukunst, sollte man leckererer Weise unbedingt einmal in Belgien, dort aber ausserhalb des Stadions genießen. Lüttich ist in jedem Fall ne Reise wert!

Bis zum nächsten Mal - vielleicht ja beim FC Oss in den schönen Niederlanden?
» 3 Kommentare
3Kommentar
am Dienstag, 23. Februar 2010 13:47von daniel
Ein absoluter Spitzenbericht!!! Etwas eingekürzt könnte ich mir den Bericht auch im nächsten Rote Kurve-Magazin vorstellen. 
Vielen Dank für diese tollen Zeilen!!!
2Kommentar
am Dienstag, 23. Februar 2010 10:12von Spradley
Klingt nach einer lustigen Fahrt. Toll geschrieben!
1Kommentar
am Samstag, 20. Februar 2010 10:46von GDI
Sauberer Bericht, steppel! 
Nicht unerwähnt bleiben soll natürlich unsere Fahrt im Polizeikorso der Red Bull Anhänger im Lütticher Untergrund...
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