am Montag, 31. Oktober 2011 12:41von daniel
Spielberichte
FC Worskla Poltawa – Hannover 96 1:2 (0:2) am 29.09.2011 um 21:05 Uhr
| FC Worskla Poltawa – Hannover 96 1:2 (0:2) am 29.09.2011 um 21:05 Uhr |
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| Geschrieben von Gereon, Axel und Daniel | |
| Donnerstag, 29. September 2011 | |
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Beim Anflug auf Kiew konnte man die Vergangenheit des Piloten als Kampfflieger einer MiG eindrucksvoll bewundern: Er deutete sein Können mit einer engen Schleife um die Schornsteine des lokalen Kraftwerks an. Die Einflugschneise führte uns vorbei an vielenHochhäusern, deren Bewohnern wir durch das Bullauge zuwinken konnten. Der Flughafen von Kiew Zhulyany (sprich: “Suldschánie”) ist sehr weitläufig und dadurch geprägt, dass auf den Rasenflächen eine Vielzahl an Flugzeugen geparktist - bei einigen merkt man an, dass die schon seit einigen Jahren unberührt dort stehen und den Kampf gegen die Korrosion verlieren werden.
Arbeitsfläche für sich undschrieb wichtige Dinge in arabischer Sprache auf, nicht ohne uns vorher noch zuverstehen zu geben, dass es nicht richtig sei, in ein Land zu reisen, ohne sichüber dieses informiert zu haben und ohne Englisch sprechen zu können. Im Zuge einer Ruhepause der 96 KÖLSCH-Teilnehmer hielt der Professor einen 30-minütigen Monolog für seine zwei ukrainischen Mitstreiter. Am ersten “Unterwegsbahnhof” (O-Ton Deutsche Bahn) wurde der Professor hellhörig, als Gereon einen Kurzbericht über die Stadt vorlas, wandte sich dann aber an uns, um unsmitzuteilen, dass Wikipedia veraltet sei und zudem falsch: “This is not 'a' truth. I will tell you the truth.” Den dritten Artikel lies er sich übersetzen, berichtete tatsächlich einige Anekdoten über die Stadt und konnte über eine Unklarheit aufklären. Man gewöhnte sich so an einander. Selbredend war auch das Wodka-Fläschen geleert worden. Der Grenzsoldat hatte inzwischen das dritte Bier von uns bekommen und war ebenfalls vergnügt. In Poltawa angekommen sahen wir unsere Busbekanntschaft wieder, grüßten sie freundlich (der Professor wollte sie wegscheuchen) und sie besorgten uns ein günstiges Taxi zum Hotel
Dieses war von außen nicht unbedingt als solches zu erkennen, aber innen wartete eine Swetlana an der Rezeption, die uns die Zimmer zeigte. Kurzer Check-in, wurde die Rechnung bestellt (“Check Tommy”), die Rechnung mit 96 KÖLSCH unterschrieben und jeder ging glücklich nach Hause. Anschließend ging es mit den Oberbayern noch ein wenig durch Poltawa, wobei sicherlich niemand der Mitgereisten diese Wanderung auf der Karte nachzeichnen könnte. Der Abschluss erfolgte in einem Schnapsladen (um 3 Uhr nachts!), danach gins zurück ins Hotel. Die erworbenen Waren wurden im Hotelzimmer verzehrt, dann gings ins Bett. Pünktlich zum Abschlusstraining war der Großteil der 96 KÖLSCHen auf den Beinen, der verbliebene Teil lies sich den vergangenen Abend noch einmal durch den Kopf gehen. Axel und Gereon gingen in einer belebtenBäckerei frühstücken, und irgendwie wurde auch die Sprachbarriere überwunden. Plötzlich stand ein Bus mit Werbung für die Goslarsche Zeitung vor der Tür, es sollte nicht das letzte Mal sein, dass wirdiesen Bus sahen. Bevor wir Daniel abholten und mit der Hotel-Swetlana diskutierten, ob wir für Daniel eine zweite Übernachtung bezahlen müssen, wurde noch Geld in einer Bank umgetauscht: Der Schalterraum wurde von einem bewaffneten Soldaten bewacht. Zu Fuß ging es dann durch große Straßen und militärische Ehrenmale Richtung Stadtmitte. Hierbei seien alle Leser der HAZ informiert, dass die Stadt mehr zu bieten hat als einen McDonalds. Es scheint eine Art der Verarbeitung der Zeiten
des eisernen Vorhangs zu sein, die Häuser möglichst bunt zu
gestalten. So gibt es ganz in pink gehaltene Häuser neben gelben und orangen Bauwerken, dazwischen aber auch immer noch viel grau in grau.
Als der Hunger uns übermannte, kehrten wir in eine Lokalität ein, auf deren Treppe nach unten eine kurzberockte, netzstrumpftragende Dame telefonierte, die direkt vor uns die Treppe hinabschlich. Unten angekommen sahen wir in ein schwarzes Loch. Es sei natürlich klargestellt, dass wir unten troz der Dame kein Rotlicht erwarteten, sondern einzig und allein Hunger hatten. Unten angekommen klärte uns die Restaurantleiterin, eine zweite Dame die uns aus der Dunkelheit erschienen war, auf, dass es einen Stromausfall gibt und wir gerne speisen dürfen, aber eben im Dunkeln oder im Straßencafé Platz nehmen müssen. Der schon länger verzweifelt durch jegliche Geschäfte huschende Präses versuchte erneut sein Glück, eine Postkartenerwerbungsquelle aufzutun und wurde von ihr auf den richtigen Weg gebracht. Gereon bei Bier und Daniel aus gesundheitlichen Gründen bei dunkler Brause machten es sich im zugigen Straßencafé gemütlich. Als Snack wurde überzeugendes Trockenfleisch gereicht, die deutschen Gäste mussten schließlich bei Laune gehalten werden. Ein überglücklicher Axel trat uns unter die Augen, der nun zwar nicht über Postkarten, dafür aber über eine Bilderreihe poltawischer Schnappschüsse verfügte, die auseinandergerupft und in Briefumschlägen an die lieben Daheimgebliebenen verschickt werden konnte. Fertiggestellt wurde die Karten im Umschlag im Keller, der nun dank Kerzenlicht einen würdigen Rahmen für unser Mittagsmahl bildete. Im Keller wurden die "Karten" geschrieben, netter Weise wurde Axel von der Restaurantleiterin das kyrillische Wort für Deutschland vorgemalt, um es selbst als eine Art Kunstwerk auf seinen Briefumschlägen platzieren zu können, damit sie auch ihre Zielorte in Deutschland erreichen konnten. Alle Karten von Axel fanden übrigens ihren Weg zu den Empfängern!
Die
Wir begaben uns auf den Weg zurück zum Stadion, erwarben einen großartigen Match-Schal, auf welchem die Spielpaarung u. a. auf kyrillisch erfolgte. Neben dem Stadion wurde ein Restaurant aufgetan, in welchem sich einige gut betuchte Ukrainier auf das Spiel einstimmten. Ein halber Liter Wodka pro Person gehört hier dazu, neben irgendeinem undefinierbaren rotem Gesöff. Wir blieben beim Bier, assen erneut gut und langsam füllte sich die Lokalität mit Hannoveranern. Erst traf die Gruppe Pressler ein, anschließend der 96-Club Hamburg und zu guter Letzt noch die Reisegruppe des Silberfliegers aus Hannover. Gemeinsam wurden ein, zwei Liedchen geträllert und schon ging es ins Stadion, wo jeder beim Besteigen einer Treppe, die zum Block führte, dreimal hintereinander gefilzt wurde - tatsächlich im Abstand von jeweils ein bis zwei Metern. Selbstredend wurden uns auch unsere nicht vorhandenen Feuerzeuge abgenommen (Axel meint, dahinter steckte die Miliz und die Drogenfahndung!). Nun gut, warum auch nicht.
Im Stadion angekommen wurde Alex geherzt, die Pyromanen-Fahne auf- und umgehängt und gleiches passierte mit der 96 KÖLSCH-Fahne, die erst mittig hinter dem Tor hing, dann aber auf Anraten von Ultra-Jannis in die Ecke über einen im Stadion parkenden Krankenwagen platziert wurde. Das Spiel begann fahrig, doch dank Moa wendete sich das Blatt zu Gunsten der Roten Götter. Kurz vor der Halbzeit erhöhte Thunder-Pander auf 2:0, nachdem Moa in bester Rabah Madjer-Manier den Ball knapp verfehlt hatte. Tatsächlich war der Halbzeit-Tee vergiftet, der FC Worskla verkürzte und es wurde eine wahre Zitterpartie. Dies war doppelt hart für Dr. Gereon, da er eh schon mit einer Pobacke im Taxi sass und nun sein Plan, nach dem 0:5 das Taxi zu besteigen (hätten Axel und Daniel eh abgelehnt) zu scheitern drohte. Die Heimfans forcierten noch ihre Liebe für deutsche(n) Schweine(braten) und letztendlich konnten wir nach dem Abpfiff den ersten Dreier auf der Habenseite verbuchen. Da Gereon mittlerweile vor Aufregung rot angelaufen war, erlebten wir den Abpfiff auf der Treppe zum Ausgang, um direkt mit dem Abpfiff einen Personenbeförderungswagen vor dem Stadion zu besteigen, der uns zum Dynamo-Stadion, unserem Treffpunkt mit dem Taxi bringen sollte. Für zwei Dollar erledigte der Taxista seine Aufgabe mit Bravour und kurz darauf sassen wir in unserem Flughafen-Taxi, welches in der Zwischenzeit unser Gepäck aus dem Hotel geholt hatte.
An Schlafen war von diesem Zeitpunkt an nicht mehr zu denken, doch nach vier Stunden Fahrt erreichten wir den Flughafen und hatten nun noch zwei Stunden Zeit, bis der Flieger nach Köln abheben sollte. Jegliche Aufregung war also für die Katz - und Daniel beleidigt, weil er in Poltawa ohne jede Frage ein Trikot gefangen hätte! Die letzten Büchsen Bier wurde geleert und dann bestiegen die drei Musketiere Wizz-Flieger. Eine unglaubliche Reise nahm ihr Ende. Und die drei Reisenden sind sich sicher, dass so eine 96-Reise mit gefühlt 300 Mitreisenden doch etwas ganz, ganz Besonderes ist. Wahrscheinlich gibt es eine solche Konstellation nur ein einziges Mal im 96-Fanleben, wie oft hat man mit seiner Mannschaft schon die Möglichkeit, das Ende der Welt zu bereisen.
Fazit: check Tommy!
Gereons Fotos und die Fotos von Axel gibt es bei Picasa zu bestaunen.
» 4 Kommentare
4Kommentar
am Montag, 31. Oktober 2011 12:41von daniel ;-)
3Kommentar
am Montag, 31. Oktober 2011 12:36von el_venezolano Danke für den Reisebericht. Meine, mich zu erinnern, dass Daniel durchaus einiges zur Schilderung des Rückreiseverlaufs beigetragen hat Euch und den Roten alles Gute außer in Dortmund
Herzlichst Hansi Kuepper (email liegt vor) 2Kommentar
am Sonntag, 30. Oktober 2011 12:35von sisu96 Hansi Küpper hat eben im DoPa noch einmal die 96Fans die nach Poltawa gereist sind, erwähnt. Ihr habt ein nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Er hat in der Diskussion über Gewalt in den Stadien und Konsequenzen für Fans ein wohltuenden Pro-Fans Kommentar abgegeben. Da habt ihr einen wesentlichen Beitrag dran. Ansonsten klasse Reisebericht Europaleague-Abenteur at its best. 1Kommentar
am Freitag, 28. Oktober 2011 16:29von Cori WOW! super!!!!
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| Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 9. November 2011 ) |